Strategie & Umsetzung

Wie viel die Plattformprovision tatsächlich abzieht: Eine Rechnung bei 1 Mio. Jahresumsatz

Die „Plattformprovision“ wird in fünf Blöcke aufgeteilt – Provision, Zahlungsgebühren, Werbung, Lagerlogistik und Retourenverluste –, anhand einer Rechnung bei 1 Mio. Jahresumsatz dargestellt und der Kostenstruktur eines eigenen Onlineshops gegenübergestellt.

Wie viel die Plattformprovision tatsächlich abzieht: Eine Rechnung bei 1 Mio. Jahresumsatz

Verkäufer sagen oft „Die Plattform nimmt 5% Provision“, doch damit ist nur einer von fünf Kostenblöcken genannt. Was den Gewinn tatsächlich belastet, ist das Zusammenspiel der folgenden fünf Posten.

1. Die „Provision“ in fünf Blöcke aufteilen

KostenpostenTypische SpanneAbrechnungsartÄndert sich der Anteil mit der Größe?
Plattformprovision2% – 8%nach Umsatzim Wesentlichen fix
Zahlungsgebühren1% – 3%nach Umsatzim Wesentlichen fix
On-Site-Werbung5% – 20%nach Klick / Gebotje stärker der Wettbewerb, desto höher
Lager und Logistik3% – 10%pro Stück / nach Volumensinkt mit der Größe
Retouren und Schwund1% – 5%pro Bestellungje nach Kategorie sehr unterschiedlich

Addiert man die Mittelwerte: 12% bis 46%. Deshalb haben viele Verkäufer das Gefühl „Die Bestellungen steigen, der Gewinn nicht“ – der Zuwachs wird von Werbung und Retouren aufgefressen.

2. Eine Rechnung bei 1 Mio. Jahresumsatz

Geschätzt nach Branchenmedian (ohne Wareneinsatz):

PostenAnteilBetrag
Umsatz—1.000.000
Plattformprovision5%-50.000
Zahlungsgebühren2%-20.000
On-Site-Werbung12%-120.000
Lager und Logistik6%-60.000
Retouren und Schwund3%-30.000
Summe der Abzüge28%-280.000

Das heißt: Von 1 Mio. gelangen 280.000 nicht in Ihre Tasche – und dabei sind Wareneinsatz, Personal und Steuern noch nicht eingerechnet.

3. Wie die Kostenstruktur eines eigenen Onlineshops aussieht

PostenEigener OnlineshopErläuterung
Umsatzprovision0keine anteilige Plattformprovision
Zahlungsgebühren1% – 3%nur an den Zahlungsdienstleister, nicht vermeidbar
Kundenakquisekostenvariabel, aber steuerbarSie entscheiden über das Budget; stoppen heißt sparen
Systemkostenfeste Jahresgebührsteigen nicht mit dem Umsatz
Traffic-EigentumIhr eigenesKundenlisten und Verhaltensdaten exportierbar und wiederverwendbar

Der entscheidende Unterschied liegt nicht im „Günstiger“, sondern in der Kostenform: Die Plattform rechnet anteilig ab (je mehr Umsatz, desto mehr Abzug), der eigene Shop arbeitet mit Fixkosten + eigenem Mediabudget (je mehr Umsatz, desto geringer der Anteil der Systemkosten).

4. Nicht jedes Geschäft sollte wechseln

Ehrlich gesagt: In den folgenden Fällen ist die Plattform günstiger:

  • Noch in der Testphase – die Plattform bringt Traffic mit, ein eigener Shop braucht lange, um von 0 an Fahrt aufzunehmen.
  • Sehr niedriger Bestellwert – bei wenigen Dollar pro Stück lassen sich die Akquisekosten im eigenen Shop nicht decken.
  • Keinerlei Content-/Mediakompetenz – der eigene Shop liefert keinen Traffic, den muss man selbst beschaffen.

Der eigene Shop eignet sich für Verkäufer, die bereits stabile Umsätze haben, deren Gewinn durch Provisionen und Werbekosten belastet wird und die Kunden als eigenes Asset aufbauen wollen.

Fazit

Ob ein Wechsel sinnvoll ist, lässt sich mit einer einzigen Zahl entscheiden: Reicht das Geld, das die Plattform Ihnen im letzten Jahr anteilig abgezogen hat, für mehrere Fixkostenpakete? Bei 1 Mio. Jahresumsatz und 280.000 Abzug ist die Antwort eindeutig.